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Pichelsteiner Eintopf – Das Urgestein aus dem Bayrischen Wald

Pichelsteiner Eintopf – Das Urgestein aus dem Bayrischen Wald

Deftig, wärmend, würzig und reichhaltig – so soll der perfekte Pichelsteiner sein. Wie kaum ein anderes Eintopfgericht ist er ein fester Bestandteil unserer historischen deutschen Rezeptsammlung. Schonend zubereitet und in seinen einzelnen Bestandteilen wandelbar wie die Jahreszeiten, schmeckt er nicht nur an kalten Tagen. Wir bereiten den Klassiker im Rahmen unserer Themenreihe gebührend rustikal über offenem Feuer im Dutch Oven zu und gehen dabei seinen Wurzeln auf den Grund.

Ein Eintopf – zwei Geschichten über seine Herkunft

Um die Wiege des Pichelsteiner ist ein jahrelanger Streit entfacht, der sich bis heute noch nicht gänzlich gelegt hat. Erstmals wurde das reichhaltige Gericht im sogenannten Lindauer Kochbuch im Jahr 1894 festgehalten. Die Überlieferungen zur genauen Herkunft sind aber nicht eindeutig. Darum streiten sich bis heute zwei Ortschaften um das Vorrecht über den Pichelsteiner.

Der Legende nach entstand der Pichelsteiner in Regen im Jahr 1742. Dort soll eine Bäuerin in Ermangelung einer reich gefüllten Vorratskammer improvisiert haben, um den Panduren Trenck und sein Gefolge zu bewirten. So griff sie kurzerhand zu Rüben, Kartoffeln und Fleischresten und warf alles miteinander in einen Kessel über dem Feuer, um die hungrige Meute zu besänftigen. Jenen Kessel bezeichnete man wohl zu seiner Zeit als Pichel. So kam der berühmte Eintopf letztlich zu seinem Namen, wenn man der Sage seinen Glauben schenken mag.

Inzwischen gilt es jedoch als erwiesen, dass der Eintopf seinen Ursprung nur 30 Kilometer entfernt in Kerschbaum hat. Dort kreierte die Wirtin Auguste Winkler im 19. Jahrhundert das Gericht ganz spontan für eine unter freiem Himmel feiernde Festgestellschaft, die sich in der Nähe des Büchelstein am Waldrand eingefunden hatte. Die kurzfristige Bestellung der Gäste brachte Auguste in zeitliche Bedrängnis und so entschied sie sich dafür ein schnelles Mischgericht aus allem was Garten und Vorratskammer gerade noch hergaben zu kochen. So soll der Name Pichelsteiner in Wirklichkeit in Anlehnung an den Büchelstein zustande gekommen sein.

Den Feiernden schmeckte die Mahlzeit so außerordentlich gut, dass sie den freudigen Anlass von nun an jedes Jahr am gleichen Ort wiederholten. Daraus entwickelte sich ein geselliges Freilicht-Kochevent in Form des Büchelsteinerfests. Dank seiner simplen Zubereitung und den günstigen Zutaten erfreute sich das Fleischgericht vor allem in Großküchen größter Beliebtheit und gewann so zunehmend an Bekanntheit.

Was gehört alles in den Pichelsteiner?

Ein exaktes Originalrezept zum Pichelsteiner Eintopf ist leider bis heute nicht bekannt. Jedoch hat sich mit der Zeit eine bestimmte Zusammenstellung an Ingredienzien herausgebildet. Dabei variieren die Gemüsesorten je nach Jahreszeit. Kartoffeln für die Sämigkeit sind ein absolutes Muss. Beim Fleisch kann man zwischen Schmorstücken vom Schwein, Rind, Kalb oder einer Mischung aus allen drei Sorten frei wählen. Die Zubereitung selbst ist wirklich mühelos. Lediglich beim Gemüse sollte man auf großzügig geschnittene Stücke achten, damit am Ende alles den gleichen Garpunkt hat.

Als Basis dient stets eine hausgemachte Brühe aus Markknochen. Diese können optional nach dem Kochen noch zu Grießklößchen weiterverarbeitet und am Ende zum Eintopf gegeben werden. Die Zutaten bleiben insgesamt aber immer sehr erschwinglich, schließlich handelt es sich auch bei dieser Traditionsspeise um ein einstiges Arme-Leute-Essen. So hält man sich am Besten an die Worte von Auguste Winkler: Man nehme was man hat.

So haben sich wie bei allen Rezeptklassikern viele kleine regionale Unterschiede in die Zutatenliste eingeschlichen. In manchen Teilen Schwabens gehört eine Garnierung aus dem abgekochtem und in dünne Scheiben geschnittenes Knochenmark, welches vom Ansatz der Fleischbrühe für den Pichelsteiner anfällt, dazu zu servieren. In anderen Teilen Deutschlands dürfen auch Knoblauch und geröstete Zwiebeln nicht fehlen.

Das Pichelsteinerfest

Als Pendant zum Büchelsteinerfest feiert man jährlich in Regen das Pichelsteinerfest. Die Konkurrenzveranstaltung jährt sich in diesem Jahr bereits zum 150. Mal. Jeden Sommer reisen Schausteller aus dem ganzen Land an, um ein Teil des großen Rummels um den Pichelsteiner sein zu können. Neben dem Aufbau von Wasserspielen und Fahrgeschäften gehört ebenso ein großer Festumzug zum Brimborium rund um das selbsternannte Nationalgericht in Niederbayern.

Das Festgebaren selbst lässt sich laut Festchronik auf das Gründungsjahr 1874 zurück führen. Damals saßen anlässlich der Regener Kirchweih die vier Begründer des heutigen Festes am Kirchweihmontag beisammen, um gemeinsam den Fleischeintopf zu verspeisen. Es handelte sich um den Bürstenmacher Josef Hüttinger, den Gastwirt und Holzhändler Michael Loibl, als auch den Bäckermeister Peter Biller und den Zeugenschmied Xaver Sedlmayer. Begleitet wurde die gesellige Runde musikalisch von einer kleinen Blasskapelle in urgemütlicher Atmosphäre des kleinen Hoflokals. Von nun an wurde die Veranstaltung Jahr für Jahr aufs Neue begangen. Und so fanden sich immer mehr Besucher von Nah und Fern. Diese werden noch bis heute in der ureigenen Chronik festgehalten und strömen mittlerweile zu Tausenden zwischen Juli und August nach Regen.

Ein weiteres kulinarisches Urgestein haben wir in Form unseres Szegediner Gulaschs ebenfalls stilecht im Dutch Oven zubereitet. Schaut gleich mal rüber und erfahrt mehr über seine Entstehung und die perfekte Zubereitungsart.

Pichelsteiner Eintopf

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Vorbereitungszeit 10 Minuten
Zubereitungszeit 1 Stunde
Portionen 4

Zutaten
  

  • 1 kg Schweineschulter
  • 8 Kartoffeln
  • 3 Karotten
  • 2 Petersilienwurzel
  • 2 Zwiebeln
  • 1/2 Lauch
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise frisch gemahlener Pfeffer
  • Petersilie
  • Schnittlauch

Anleitungen
 

  • Das Fleisch in mundgerechte Würfel schneiden und mit Salz und Pfeffer kräftig würzen - anschließend am Topfboden verteilen.
  • Dann das Gemüse ebenso grob schneiden und auf das Fleisch schichten - die Kartoffeln nur schälen.
  • Abschließend eine Lage aus Kartoffeln über das Gemüse hobeln und ebenfalls mit Salz und Pfeffer würzen.
  • Den Deckel darauf setzen und den gesamten Topf für mindestens eine Stunde in die Glut geben und ebenfalls von oben Hitze zuführen.
  • Zum Schluss einmal kräftig umrühren und auf Teller verteilen - mit frisch gehacktem Schnittlauch und Petersilie verfeinern.
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Autorin – Isabella Wenzel

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