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Beiläufiger Fleischkonsum: Wir müssen uns endlich selbst ertappen!

Beiläufiger Fleischkonsum: Wir müssen uns endlich selbst ertappen!

Fleischkonsum muss sich ändern. Er wird sich ändern, wir erleben diesen Prozess gerade live mit. Die Frage die sich allerdings stellt ist: Wie bahnbrechend wird dieser Wandel sein, wie viel Schlagkraft kann die Blase bewusster Fleischkonsumenten in den kommenden Jahren entfalten? Bleibt bewusster, reflektierter Fleischgenuss ein Thema von Experten und „Eliten“? Denn – sind wir ganz ehrlich – aktuell wird Fleisch in der Breiten Masse noch immer weitestgehend kopflos, triebgesteuert und unhinterfragt gegessen.

Richten wir den Blick in die Zukunft, ist die wichtige Frage jedoch nicht: „Wie konnte es soweit kommen?“ – sondern „wie kommen wir möglichst schnell wieder auf ein verträgliches Maß von Fleischkonsum? Verträglich für Tier, Mensch und des gesamten Planeten. Warum wir weniger Fleisch essen müssen, braucht hier gar nicht weiter erklärt werden. Es ist eine Anforderung an die Menschheit, die auf allen Ebenen wissenschaftlich gestützt wird. Fangen wir also endlich an, pragmatisch zu denken und nach schnellen Lösungsansätzen zu fahnden.

Fleischkonsum als Routine-Handlung

Eine abrupte Abkehr der Weltbevölkerung vom massenhaften Fleischkonsum ist illusorisch. Selbst in Deutschland, wo dieses Thema schon vergleichsweise progressiv diskutiert wird, wäre es vermessen zu glauben, dass innerhalb kürzester Zeit eine kritische Masse von Konsumenten ihren Fleischkonsum drastisch hinterfragt. Zu sehr ist der Dauer-Zugriff auf Fleisch zur liebgewonnenen Routine geworden. Fangen wir doch besser mit kleinen aber massenwirksamen Schritten an.

Dabei ist Routine exakt jener Begriff, der am meisten Potential für Umdenken bietet. Geschätzte 90-95 % des Fleischkonsums in Deutschland passieren beiläufig. Thomas Winnacker legte im Fleischglück-Podcast den Finger in die Wunde und sagte, dass genau dieser „beiläufige Fleischkonsum“ ein riesiges Problem darstellt aber gleichzeitig auch eine riesige Chance für eine großangelegte Transformation des Konsums bietet.

Beiläufiger Fleischkonsum: Problem und Lösungsansatz

Was meint Winnacker mit „beiläufigem Fleischkonsum“? Es sind die alltäglichsten aller Konsum-Fälle – jeder hat das schon erlebt: Fitness-Salat mit Putenstreifen. Gebratene Asia-Nudeln mit Huhn. Frühlingsrollen mit Schwein und Rind. Chili con Carne. Nahezu jedes Gericht auf deutschen Speisekarten enthält eine Fleisch-Komponente. Doch in den allerwenigsten Fällen spielt dieses Fleisch eine kulinarisch bedeutsame Rolle oder muss einen gewissen Qualitätsanspruch erfüllen. Es ist da, weil es immer schon da war und der Fitness-Salat ohne Putenstreifen wäre kein richtiger Fitness-Salat. Zumindest fühlt es sich für uns so an.

Hand aufs Herz – wer hat zuletzt über dieses Putenfleisch auf dem Salat so richtig geschwärmt – oder über das Huhn in den gebratenen Nudeln? Genau richtig – niemand. Und genau das ist für die Massen-Industrie die Chance, ihr fragwürdig produziertes und oft minderwertiges Fleisch an den Mann und die Frau zu bringen. Denn hier schmeckt niemand raus, was wirklich drin ist.

Genuss statt Sättigung

Was wäre, wenn wir Fleisch nur noch dann essen, wenn es wirklich eine zentrale kulinarische Rolle spielt? Nur dann, wenn wir es als Komponente auch wirklich herausschmecken und wir uns beim Essen auch tatsächlich mit seinem Geschmack und seiner Textur außeinandersetzen (können)? Nur dann, wenn wir auch wirklich eine Chance haben, die Qualität des verwendeten Fleischs zu beurteilen? Oder ganz einfach formuliert; Nur dann, wenn wir das Fleisch auch wirklich genießen!

Das bedeutet nicht, dass Fleisch wieder stärker in den Mittelpunkt rücken sollte – ganz im Gegenteil. In den meisten Fällen braucht es schlichtweg kein Fleisch, um mit einem Gericht die selbe Wirkung zu entfalten. Austernpilze statt Huhn im Salat funktionieren perfekt, Tofu statt Hühnchen in den Asia-Nudeln, Frühlingsrollen mit Gemüsefüllung – es wird niemand das Fleisch vermissen. Schwerer ersetzen lässt sich hingegen ein hochwertiges Steak (wir sagen nicht, dass es unmöglich ist). Doch hier lassen wir uns nicht so leicht bescheißen – hier schmecken wir deutlich, ob das Fleisch zäh oder zart, wässrig oder saftig, intensiv oder flach schmeckt. Wir genießen bewusst und nehmen wahr, dass wir gerade Fleisch konsumieren. Das ist das Gegenteil von beiläufig.

Fleischgenuss zelebrieren

Wenn es uns gelingt, uns selbst beim beiläufigen Konsum immer wieder zu ertappen und zu überführen und dadurch öfter auf diese Art des Fleischessens zu verzichten, könnte die verbrauchte Fleischmenge innerhalb kürzester Zeit drastisch reduziert werden – ohne, dass dabei große kulinarische Einbußen nötig werden. Und das Steak zum besonderen Anlass würde noch mehr zum zelebrierten Genuss-Erlebnis avancieren.

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