Sous-vide Garen: Vorteile, Geräte und Garzeiten im Überblick

Sous-vide Garen: Vorteile, Geräte und Garzeiten im Überblick

Fleisch und Fisch unter Vakuum einzuschweißen und im Wasserbad zu garen liegt im Trend – immer mehr Hobbyköche lernen diese Technik zu schätzen, die auf den Namen Sous-vide hört und unter Profiköchen längst zur Standard-Methodik gehört. Sie ermöglicht nie dagewesene Kontrolle über den Gargrad von Fleisch, Fisch und Gemüse und bringt beeindruckende Ergebnisse hervor. Das benötigte Equipment hat jedoch seinen Preis.

Sous-vide: Keine neue Methode

George Pralus, ein französischer Koch, der Anfang 2014 verstarb, gilt als Erfinder dieser revolutionären Technik. Schon 1970 garte er erstmals Lebensmittel im Wasserbad. Für ihn war der Ansatz des Vakuumgarens seinerzeit ein gewagtes Experiment mit wenig Durchschlagskraft. Erst in Verbindung mit den hochmodernen Präzisionsgeräten, die in den vergangenen Jahren für die Spitzen-Gastronomie entwickelt wurden, erkannten Spitzenköche die Vorzüge der Sous-vide Methode.

Sous-vide ist eine Erweiterung des bewährten Niedrigtemperaturgarens im Ofen. Die positiven Eigenschaften der alten Methode wurden beibehalten, die Nachteile ausgemerzt. Beim Sous-vide-Garen überschreitet die Temperatur niemals die 100 Grad-Marke, die Hitze wirkt jedoch viel direkter und dadurch effektiver. Verpackt in der Vakuumhülle steht das Gargut in engstem Kontakt zum Wärmemedium – die Wärmeleitung ins Innere erfolgt sehr schnell und lässt sich so präzise kontrollieren wie bei keiner anderen Methode. Die für die Geschmackstiefe so notwendigen Röstaromen erhält das Gargut durch kurzes aber sehr scharfes Anbraten oder Grillen nach dem Ende des Sous-vide-Garens. Grundsätzlich ist die Kombination aus schonendem Sous-vide-Garen und einer kurzen Zeit extremer Hitze (z.B. ein Oberhitzebrenner) die bestmögliche Kombination für ein perfektes Steak. Das sieht man zum Beispiel in diesem Rezept.

Geräte zum Sous-vide-Garen

Thermalisierer

Um die Sous-vide-Methode professionell anwenden zu können, benötigt man zwei Geräte: Einen Sous-vide-Garer und einen Vakuumierer. Beides ist in unterschiedlichen Ausführungen und Preisklassen erhältlich. Bei der Wahl des Sous-vide-Garers greifen Profi-Köche in der Regel zu Themalisierern – das sind große Wasserbäder, die mit einem Erhitzer ausgestattet sind, der sich exakt einstellen lässt. Kostenpunkt: 800 Euro und mehr. Durch ausgesandte Energieschübe werden die Wasserteilchen dauerhaft in Turbulenz versetzt, das Wasser erreicht so die gewünschte Temperatur. Thermalisierer sind in der Lage diese Temperatur extrem konstant zu halten. Sie sind jedoch oft sehr groß und somit eher in Großküchen zu Hause. Einige Hersteller bieten auch günstige, kleine Einstiegsmodelle an (ab 100 Euro).

Einhängethermostate

Eine flexiblere Handhabung erlauben Einhängethermostate. Sie fungieren nach dem Prinzip eines Tauchsieders und lassen sich mit einer Schraubzwinge in Becken unterschiedlichster Größe einhängen. Eine eingebaute Pumpe sorgt für eine Umwälzung des Wassers, sodass sich das gesamte Becken gleichmäßig erhitzt. Einhängethermostate haben den Nachteil, dass sie die Wassertemperatur nicht ganz so exakt halten wie Thermaliserer, die Pumpe kann bei häufigem Einsatz von hartem Wasser zudem verkalken. Ihr großes Plus besteht darin, dass sie nicht auf eine bestimmte Beckengröße beschränkt sind und sich leicht verstauen lassen. Der Preis: 300 Euro aufwärts.

Dampfgarer

Eine dritte Art der Sous-vide-Garer ist gerade erst dabei sich zu etablieren: Immer mehr Hersteller von Dampfgarern integrieren eine Sous-vide-Schublade in ihre Geräte. Dort garen Lebensmittel ebenfalls in einer Vakuumverpackung, jedoch in konstant heißem Dampf statt in heißem Wasser. Wer vollständig auf den Einsatz eines professionellen Sous-Vide-Garers verzichten will, kann sich natürlich auch mit einem simplen Kochtopf behelfen und das Wasser langsam auf dem Herd erwärmen. Eine annähernd exakte Temperaturkonstanz wie bei Thermalisierern oder Einhängethermostaten ist dabei jedoch nicht gewährleistet.

Vakuumierer für Sous-vide

Um Lebensmittel effektiv vor direktem Wasserkontakt zu schützen, das Austreten von Zellsäften beim Garen zu verhindern und Oxidationsprozesse zu unterbinden, bedarf es eines Vakuumierers, der Fleisch, Fisch und Gemüse in speziell dafür hergestellte, hitzebeständige Vakuumbeutel einschweißt. Auch bei der Wahl dieses Geräts steht der Konsument vor einer Wahl: Balkenvakuumierer oder Kammervakuumierer?

Kammervakuumierer

Die großen und meist sehr schweren Kammervakuumierer (ab 800 Euro) erzeugen ein stärkeres Vakuum und sind so deutlich besser für den Sous-vide-Einsatz geeignet. Das Gargut im Vakuumbeutel wird in eine Vakuumkammer gelegt, die mit einem Deckel luftdicht abgeschlossen werden kann. Der Kammervakuumierer saugt nun die Luft aus der gesamten Kammer und somit auch aus dem Beutel, bevor die Öffnung über einem Schweißbacken automatisch versiegelt wird. Teure Profi-Geräte erzeugen dabei ein Vakuum von über 99%, was absolut perfekte Sous-vide-Ergebnisse ermöglicht.

Balkenvakuumierer

Bei klassischen Haushaltsvakuumierern, so auch bei Balkenvakuumierern, wird die Luft direkt aus dem Beutel gesaugt. Das dabei entstehende Vakuum ist unter Umständen allerdings zu schwach für die Sous-vide-Methode. Durchschnittliche Geräte erreichen bis zu 70%, sehr gute Balkenvakuumierer schaffen auch über 90%, doch die restliche Luft im Beutel verhindert eine direkte Wärmeübertragung an der gesamten Oberfläche. Balkenvakuumierer eignen sich speziell für Sous-vide-Einsteiger, die sich an die Methode herantasten wollen.

Vorgehensweise beim Sous-vide Garen

Der Prozess des Sous-vide-Garens erledigt sich im Grunde von selbst – sofern man einen Themalisierer oder ein Einhängethermostat besitzt. Unumgänglich ist jedoch das Wissen um die richtige Kerntemperatur und die optimale Gardauer. Ein Beispiel macht das deutlich: Ein Rinderfilet (600g) sollte eine Kerntemperatur von 56 Grad erreichen, um medium gegart zu sein. Nun erhitzt der Koch das Wasserbad auf eine Temperatur von exakt 56 Grad. Durch die schnelle Wärmeleitung nimmt das gesamte Steak innerhalb von maximal zwei Stunden diese Temperatur an. Das bedeutet: Nicht nur der Kern des Filets, sondern das gesamte Stück Fleisch ist nun medium gegart, es entsteht keinerlei Farbverlauf. Ein Übergaren und Austrocknen ist nicht möglich, da die Temperatur des Wassers den Gargrad nach oben begrenzt. Die Röststoffe, die man vom Grillen oder Braten gewohnt ist, fehlen jetzt noch. Sie veredeln das sous-vide gegarte Fleisch. Dazu brät man es von jeder Seite bei mindestens 300 Grad Hitze für maximal 20 Sekunden an.

Garzeiten im Überblick

Rindersteak medium (3 cm dick): 90 Minuten bei 56 Grad

Lachsfilet glasig: 20 Minuten bei 45 Grad

Schweinefilet rosa (5cm dick): 90 Minuten bei 60 Grad

Schweinenacken (700 Gramm): 4 Stunden bei 58 Grad

Lammfilet rosa (2 cm dick): 20 Minuten bei 55 Grad

Reh-/Hirschrücken: (2,5cm dick): 20 Minuten bei 58 Grad

Hühnerbrust (2,5 cm dick): 60 Minuten bei 64 Grad

Entenbrust (2,5cm dick): 120 Minuten bei 57 Grad

Die Vorteile beim Sous-vide Garen

Die positiven Effekte des Sous-vide-Garen gehen weit über die exakte Kontrolle des Gargrades hinaus: Dutzende Tests haben gezeigt, dass der Flüssigkeitsverlust – speziell bei Fleisch – deutlich niedriger ausfällt als bei klassischen Garmethoden. Bei allen hochwertigen Produkten – sei es Fleisch, Fisch oder Gemüse – zahlt sich Sous-vide aus, denn wer viel Geld für sein Essen ausgibt, will in der Regel auch ein optimales Ergebnis erzielen – ohne ein Risiko einzugehen. Gerade Fleischstücke mit hohem Kollagen-Anteil (Rinderbug, Ochsenbäckchen) eignen sich besonders gut zum Vakuumgaren, da das Bindegewebe durch den langsamen und teils sehr langen Garvorgang extrem zart und saftig wird. Die Methode garantiert bei richtiger Anwendung, dass kein Stück Fleisch mehr trocken auf den Tisch kommt.

Perfekte Ergebnisse in Serie

In den meisten Sternerestaurants gehören Sous-vide-Geräte aus diesem Grund zur Standard-Ausstattung. Sie erleichtern das Zeitmanagement ungemein. Gerade im à la Carte Betrieb garantieren sie Flexibilität, denn auf zwei Minuten mehr oder weniger im Wasserbad kommt es bei Sous-vide nicht an – die Qualität bleibt konstant. Diese Flexibilität kommt auch Hobbyköchen zu Gute. Ein vollautomatisches Wasserbad bringt Entspannung beim Kochen, gerade wenn man Gäste erwartet. Gerichte lassen sich problemlos vorbereiten und warmhalten, denn im Sous-vide-Garer verzeiht das Fleisch auch ein Überziehen der Garzeit ohne Qualitätsverlust.

Ein kleines Manko bleibt: Ausgestattet mit Sous-vide Technik ähnelt die Küche schnell einem Laboratorium, Anspannung beim Braten und freudiger Stolz beim Aufschneiden des Steaks gehören mit Sous-vide der Vergangenheit an. Ein Glücksfall ist Sous-vide hingegen für alle Feinschmecker, die sich kulinarische Perfektion in Serie wünschen und für jene, die Tag für Tag ihre Gäste mit tadellosen Kreationen zufriedenstellen müssen.